Paulinerinnen und Pauliner,  das Farbenfest vom 16. März  2018 liegt schon wieder  hinter uns. Es war ein schöner Erfolg.

Wir hatten etwas über 300 Paulinerinnen und Pauliner in der  farbenprächtig geschmückten Aula versammelt und  konnten uns einige Stunden eines lebhaften Beisammenseins freuen.

Der Bericht über das Farbenfest und einzelne Fotos Hier: Klick!


"Lebe wohl! Auf Wiedersehen!"

Das "Komitat" von Hoffmann von Fallersleben mit der Musik von Mendelssohn-Bartholdy steht seit vielen Jahrzehnten am Ende eines jeden Farbenfestes. Pauliner haben es auch in der NS-Zeit demonstrativ gesungen, als der große Komponist der Melodie wegen seiner jüdischen Herkunft verfehmt war. 

 

Zum Termin des Farbenfestes, derzeit jährlich am zweiten Freitag vor den NRW-Osterferien, kommen einige hundert Paulinerinnen und Pauliner, teils von weither, in Münster zusammen, um sich der Freundschaft zu versichern, die in der gemeinsamen Schulzeit begründet wurde.  Besichtigungen der Schule, Besuche kultureller Einrichtungen, "Gelage" und Meinungsaustausch bestimmen diese Begegnungen der Jahrgänge und ehem. Klassen. In der Tat können in der Schule Lebensfreundschaften begründet werden. Das Netz der Alten Paulinerinnen und Pauliner ist traditionell besonders gut geknüpft.  Besonders intensiv sind die Treffen der Jubel-Jahrgänge, deren Abitur-Jahr sich mal wieder rundet. Die Datei der Alten Pauliner erfasst 2017 fast 3.400 Adressen, unser derzeit ältester Pauliner, Walther Fincke in Würzburg, hat 1937 sein Abitur bestanden.

 

Traditionell wählen die Paulinerinnen und Pauliner bis heute in jedem Jahrgang eigene Farben, die sich auch in einer Jahrgangsfahne spiegeln. Diese wird bei den Abitur-Feierlichkeiten, im Gottesdienst, beim offiziellen Festakt und beim Abi-Ball präsentiert. Fahnen sind über Jahrzehnte noch vorhanden und werden in gewisser Sortierung zu den Festen hervorgeholt.

 

Wie noch heute übrigens in den skandinavischen Ländern allgemeiner  Brauch, tragen die Paulinerinnen und Pauliner der letzten Jahrgangsstufe, so weit sie es mögen, farbige Mützen. Eine Entscheidung für oder gegen Farben fällt jeder Jahrgang neu. Die "Alten Pauliner" tragen die Finanzierung der Fahnen mit.

 

Das Farbenfest lehnt sich in etwa an den Comment früherer Verbindungen an, ist jedoch viel freier und offener als irgendwelche Konvente h.o.. Im Mittelpunkt steht das Miteinander der Jugendfreunde, die  Begegnung mit der alten Schule und mit Münster, sowie der Gedankenaustausch.


Eine Strenge, wie sie dieses Bild ausstrahlt, ist bei den Treffen der Alten Pauliner heutzutage aber nicht mehr üblich. Das Foto stammt aus dem Jahre 1941 und zeigt die noch lebenden Abiturienten des Jahrgangs 1896 an der Petrikirche. Präside XX war Prof. Dr. Max Geisberg, der auf der linken Seite die Corona "überragt". Er selbst beschreibt dieses Treffen zum 90. Semester: "Bei dem letzten Zusammentreffen 1941 war es schon mehr eine Aufzählung der körperlichen Leiden der einzelnen, wie Zipperlein, Schwerhörigkeit, Rheuma. Unsäglich schön war das Fortbestehen der alten Verbundenheit, als habe man gestern zum letzten Mal auf der Schulbank nebeneinander gesessesen."

(Geisberg: Meine Jugend im alten Münster, S. 100)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Immer wieder Gegenstand vieler Erinnerungen : Die Fahnen der einzelnen Abiturientien, speziell aus den Jubiläumsjahren, schmückten auch in diesem Jahr die Aula des Paulinums.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pauliner verbinden in der Tat Generationen. Schnappschuss vom Farbenfest 2015.


Ein Farbenfest aus bemerkenswerter Perspektive

 

Ein Treffen zum Farbenfest 2009, das 100. Semester:

Die Abiturientia von 1959 bei der Besichtigung der Schule mit Herrn Dr. Grave.

Sitzend 1.v.l.: Thomas Kielinger OBE, "unser Mann in London".

 

Thomas Kielinger OBE, Con-Pauliner vom Jahrgang  1959, ist ein  bekannter Autor, Journalist und langjährig aktiver Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt" mit Erfahrungen in den USA und besonders in England. Im Jahre 2009 nahm er am Farbenfest aus Anlass des 50. Abiturjubiläums teil. Über diese erneute Begegnung mit der alten Schule und den Con-Abiturienten in Münster veröffentlichte er am 31. März 2009 einen lesenswerten Bericht in der "Welt".

 

Wer sich Gedanken über die eigene Bildungsgeschichte, die Rolle der Klassengemeinschaft  und das frühere Umfeld der Schule macht, findet in Thomas Kielingers Beitrag vielfältige Anregungen. Es dürfte nur wenige Berichte geben, die wie dieser Text des "Welt-(zu)gewandten" Korrespondenten  die Rolle eines Wiedersehens von Con-Abiturienten vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts so packend und so sensibel beschreibt!  Hier nachlesen.

 

Viel Freude - und Dank an Thomas Kielinger nach London.


Geleitslied: Nun zu guter Letzt

 

Nun zu guter Letzt geben wir dir jetzt
auf die Wanderung das Geleite.
Wandere mutig fort ! Und an jedem Ort
sei Dir Glück und Heil zur Seite !

Wandern müsssen wir auf Erden:
Unter Freuden und Beschwerden
geht hinab, hinauf, unser Lebenslauf –
: das ist unser Los auf Erden. :

 

Bruder, nun ade ! Scheiden tut zwar weh,
Scheiden ist ein bitteres Leiden.
Wer es gut gemeint, bleibt mit uns vereint,
so als gäb es gar kein Scheiden.

Dieser Trost mag dich begleiten,

manche Freude dir bereiten.
Wenn du bist im Glück, denk an uns zurück,
: denk an die vergangenen Zeiten! :

 

Bruder, nimm die Hand jetzt zum Unterpfand,

dass wir treu gesinnt verbleiben,

redlich sonder Wank, fern von Neid und Zank

stets in unserm Tun und Treiben.

Endlich wird's einmal geschehen,

dass auch wir uns wiedersehen

und uns wieder freun und den Bund erneun -

: Lebe wohl! Auf Wiedersehen! :

Text: Hoffmann von Fallersleben , Februar 1846
Musik: Felix Mendelssohn-Bartholdy , 1847