Die Abiturientia 1959

Empfang der Abiturientia beim Bischof



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begegnung  im Zwei-Löwen-Club am 19. März 2019.

 

Thomas Kielinger (1959) stellte sein neues Buch über Elisabeth I. vor. Eine ganze Reihe von Con-Paulinern begrüßte den Autor mit Münsteraner Wurzeln. Hier (re) Staatssekretär a.D. Elmar Schulz Vanheyden, Conabiturient des Gastes aus London.

 

Die Königin – Elisabeth I. und der Kampf um England

 

Münster. Im „Zwei-Löwenclub“ stellte am 19. März  2019 Thomas Kielinger (1959) sein neues Buch über die englische Königin Elisabeth I. vor. Unser Con-Pauliner  hat trotz eines jahrzehntelangen Wanderlebens als Journalist, Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ in den USA und in England wie als politischer Berater und freier Autor seine Verbindungen nach Münster nie aufgegeben. Hier ist Kielinger, der in Danzig geboren wurde, nach Flucht und Vertreibung aufgewachsen, hier hat er 1959 am Paulinum sein Abitur bestanden und in Münster hat er bis heute Familie und viele Freunde aus gemeinsam erlebter Jugendzeit. Kein Wunder dass der große Saal des Clubs am Kanonengraben bis auf den letzten Platz besetzt war.

 

Bemerkenswert war eine gedankliche Linie Kielingers, die sich den ganzen Abend unter die Vorstellung seines Buches über die große Königin des 16. Jahrhunderts schob: Welche Mentalitäten leben die Engländer eigentlich? Wie ticken sie? Gibt es historische Vor-Prägungen, die schon in der frühen Neuzeit erkennbar waren und sich bis heute durchtragen?

 

Da blieb der Brexit natürlich nicht außen vor und Kielinger, profund in Vorbildung und Wortgewalt, rezitierte auf dieses Stichwort hin Vergils Aeneis (II) mit der Anrede des Aeneas an Dido: „Infandum, regina, iubes renovare dolorem!“ – Unsäglichen Schmerz befiehlst du mir, Königin, zu erneuern! Keine Frage, da steht ein Autor mit europäischer Prägung und Sendung, dem die politischen Ereignisse der letzten Jahre im Vereinigten Königreich Schmerzen und Probleme bereiten. Andererseits aber sucht Kielinger zu ergründen und zu erklären, wo Wurzeln und Züge des britischen Selbst- und Weltverständnisses liegen. Was wissen wir eigentlich darüber? Und müssten wir nicht genauer hinschauen?

 

Natürlich gilt Churchills Wort, der Kanal sei keine Wasserstraße, sondern eine Weltanschauung. Kielinger aber schaut tiefer zurück in die Geschichte, analysiert die Politik Elisabeths I., betrachtet das „seefahrende Volk, das eben größere Schwankungen gewöhnt ist“ und verweist auf Nelson, der vor der Schlacht von Trafalgar seinen Leuten zurief: "Something must be left to chance; nothing is sure in a sea fight above all."

 

Kritisch befragt Kielinger die Europäer, die wesentliche Mentalitätsunterschiede nicht rechtzeitig wahrgenommen hätten. Den Leistungen Elisabeth I., die ein eventuelles privates Lebensglück ihrem Land geopfert habe, zollt der Autor hohen Respekt. Sie habe in ihrer Politik stets eine „via media“ angepeilt und den Ausgleich zwischen den Bevölkerungs- und Interessengruppen gesucht. Dieser sei aber in der aktuellen Gegenwart der Insel leider verloren gegangen.

 

Ein spannender Abend und eine spannende Lektüre aus der Feder eines besonders kundigen Autors und Con-Pauliners. Lesenswert.

 

Hans-Peter Boer (1969)