Die Abiturientia 1969

Die Redaktion unserer Website wird in den nächsten Wochen nach und nach die Feier des 100. Semesters der 1969er bearbeiten und darstellen. Gerade aus dieser Stufe, deren Präsiden Hermann-Ulrich Viskorf x und Hans-Joachim Borgs xxx sich mit weiteren  Con-Abiturienten  bei der Suche nach Dokumenten, Bildern und Texten zum damaligen Abitur besonders engagierten,  liegen viele und erstaunliche Quellen vor. Die Abiturientia hat mehrfach originell auf verschiedene Herausforderungen reagiert, zum Beispiel bei der Wahl eines Abiturspruchs.

 

Es waren zwei Freunde aus der Abiturientia Paulina vom Jahre 1969, die einige Wochen vor dem Abitur wohl die Lösung für die schwere Frage fanden, welchen Spruch man als Losung für die Abiturkarten wählen sollte.

 

Die beiden jungen Herren (... übrigen vom Stande!) schauten über den Tisch das Gasthauses Pinkus Müller  in die von ihnen teil-gefüllten Aschenbecher aus blauer-grauer münsterländischer Keramik. Auf deren Rand  prangte die Devise

 

"Laot Wiärks men gaohn!"

 

Das war die Lösung für das philologisch-philosophische Problem, insbesondere auch wegen des Kontrastes zum Abiturspruch des Vorjahres :

 

"in magnis et voluisse sat est" -

 

"... in großen Dingen nur gewollt zu haben

ist genug!"

 

Der Vorschlag kam auf den Tisch und wurde in der Versammlung der aus zwei Klassen bestehenden Abiturientia gebilligt. Er prägte auch das Farbenlied des Jahres, eine echte Eigendichtung mit eigener Komposition. Dies zählt wahrscheinlich zu den letzten Liedern dieser Art in unserer Schulgemeinde. Es soll demnächst mit Text (Horst-Dieter von Enzberg) und Melodie (Wulf Alsen) hier vorgestellt werden.

 

Der Münsteraner Kritikaster "Promenadus" kommentierte  die für ein humanistisches Gymnasium ungewöhnliche Wahl eines plattdeutschen Abiturspruchs  wie

nebenstehend dokumentiert.

 

WN, Juni 1969, Bild aus dem Archiv von Helmut Kohorst (Lemgo)

- spe -


 

 

 

Jahrestreffen 2018 der

Abiturientia  Paulina 1969 / OIa:

 

Bei der Wanderung durch das herbstliche gefärbte Stevertal

 

 

 

 

Die seit dem 17. Jahrhundert existierende Mühle des heutigen Hofes Schulze Westerath (ehem. Schulte to Steveren) wurde in ein mittelalterliches Turmhaus eingebaut.

Gruppenbild mit Dame: Kenntnisreich und spannend führte Elisabeth Schulze Westerath in die Geschichte des Hofes und der Mühle im ma. Turmhaus ein. Die 1969er bedankten sich für eine intensive und spannende Begegnung mit dem ungewöhnlichen Denkmal ländlicher Technik.

10 Romfahrer der AP 1969  beim Jahrestreffen zu Martini 2018 in Nottuln

1969er-Abiturienten trafen sich zur Nachlese einer

beeindruckenden „Revival“-Tour in die Ewige Stadt

Von Andreas Schnellbach (1969)

 

Nottuln.   Ein Bilderabend sollte es sein, ähnlich dem Dia-Abend vor 50 Jahren, auf dem die damalige Klassenfahrt nach Rom noch einmal nacherlebt und den Eltern  vorgeführt wurde. Das kam insbesondere einem  jetzt in Thüringen lebenden Kommilitonen zugute, der die 2018er Wiederholungstour aus gesundheitlichen Gründen nicht mitmachen konnte. Vom restlichen Dutzend der 2018er Romfahrer nahmen immerhin neun „Pardonen“ teil.

 

So erlebten sie denn bei ihrem  Nottulner  Gastgeber „Jacky“ B. eine Bilderauswahl, die vom Autor dieses Berichtes zusammengestellt worden war. Die Auswahl  enthielt auch Bilder aus der Zeit der Oberstufe vor 50 Jahren und von der Romfahrt 1968. Nur alles nicht mehr als Dia-(Positiv), dem beliebten Vorführmittel der 60er und 70er Jahr, auf eine ausziehbare Leinwand projiziert, sondern zeitgemäß digitalisiert und per USB-Stick auf dem Großbildfernseher.

 

Begonnen hatte das Treffen mit einer Führung durch die Mühle des Hofes Schulze Westerath im Stevertal, dargeboten von der Senior-Chefin, Frau Elisabeth Schulze Westerath persönlich. Danach war Stärkung angesagt bei westfälischen Spezialitäten des Gasthauses Arning nahebei. Abgerundet wurde das „Martinitreffen“ mit einer Besichtigung der neu gestalteten Burg Vischering am Folgetag. 

 

Nun liegt des Fokus ganz auf den Vorbereitungen für das  Farbenfest 2019, auf dem die Abiturientia  von 1969 das Jubelsemester (100. Semester) stellt.


Eine Wiederbegegnung mit Rom nach 50 Jahren

An der Spanischen Treppe: Zwölf Conabiturienten von 1969 beim "Revival" in Rom
An der Spanischen Treppe: Zwölf Conabiturienten von 1969 beim "Revival" in Rom

„68-er“ nach 50 Jahren wieder in Rom

12 Abiturienten des Paulinums wiederholen ihre Klassenfahrt von 1968

Von Andreas Schnellbach

Münster/Rom. Es war für sie das herausragende Ereignis in der Oberstufe, ein Jahr vor dem Abitur 1969. Im Mai 1968 machte sich die damalige Unterprima a (U I a) des Gymnasium Paulinum auf zu einer Klassenfahrt nach Rom. Vorbereitet und geleitet wurde das Unternehmen vom damaligen Direktor des Paulinums und Lateinlehrer der Klasse, Oberstudiendirektor Hermann Hugenroth. Ihn begleitete der Mathematik- und Klassenlehrer, Oberstudienrat Richard Tybus. Beide sind inzwischen verstorben.

Diese Fahrt sollte die Schüler mit den Stätten der Antike bekannt machen, die ihnen bis dato nur in der Pflichtlektüre des Lateinunterrichts begegnet waren. In Rom konnten sie die Wirkungsstätten Cäsars, Ciceros und vieler anderer römischer Staatsmänner selbst in Augenschein nehmen. Obwohl auch damals vieles nur noch in Trümmern vorlag, waren die verbliebenen Überreste anschauliche Zeugnisse ehemaliger imperialer Macht und Pracht.

Zur Vorbereitung zählten seinerzeit auch kunsthistorische Erläuterungen zu den Denkmälern und Bauten der Antike, der Renaissance und des Barock, die noch heute das Stadtbild der Ewigen Stadt prägen. So gerüstet erlebten die „68-er“ ein Jahr vor ihrem Abitur einen wahren Höhepunkt ihrer Schulzeit – heute würde man sagen ein „Highlight“.

Dem Geist und dem Erleben von damals wollten die „Pardonen“,[1] wie sich diese Klassengemeinschaft schon lange vor 1968 nannte, 50 Jahre danach noch einmal nachspüren. Ein Dutzend „Pardonen“ machten sich am Pfingstsonntag 2018 erneut auf den Weg nach Rom, im Gegensatz zu 1968 im Eurowings-Airbus vom Flughafen Köln-Bonn aus, nicht wie seinerzeit im Nachtzug über Frankfurt und Mailand. Und auch nur in knapp zwei Flugstunden statt in fast 24 Stunden mit der Bahn.

Zwei Mitreisende waren damals nicht mit dabei, für sie war die „Revival-Tour“ eine Premiere. Einer von ihnen absolvierte zu der Zeit gerade in den USA ein Studienjahr, der andere kam erst nach der Romfahrt gegen Ende des Schuljahres als Zuzug aus Bonn in die Klasse. Die zwölf Reiseteilnehmer sind die Mehrzahl von 17 überhaupt noch lebenden Mitschülern der Abiturklasse von 1969. Vier sind inzwischen verstorben. Ihrer wurde während der Reise würdig gedacht.

Naturgemäß konnte die diesjährige Tour keine vollständige Wiederholung der 68er Tour sein, zumal diesmal nur vier volle Tage zur Verfügung standen. 1968 waren es fast dreimal so viel. Dennoch wollte man den prägenden Erlebnissen von damals noch einmal nachspüren und dabei auch mit Blick auf das heutige Rom das eine oder andere Unbekannte neu erleben. Das Rom von 2018 war dabei gekennzeichnet von der gerade laufenden Regierungsbildung und dem beklagenswerten Zustand der Straßen und Fußwege.

Höhepunkt und Abschluss der 2018er Tour war der Besuch der damaligen Unterkunft der „Class of 68“ im Viertel Trastevere. Von der nahe dem Ponte Sisto gelegenen Piazza Trilussa aus folgte die Gruppe noch einmal der zum Hügel „Gianicolo“ hinauf führenden Via Garibaldi. Bei der Nummer 27 baten wir an der Rezeption des heutigen Hotels, ob wir eintreten und uns das Innere noch einmal ansehen dürften. Natürlich durften wir, nachdem wir erklärt hatten, dass wir vor 50 Jahren schon einmal Gast dort waren – allerdings im Gästehaus des damaligen Nonnenklosters "Oblate Agostiniane / Sette Dolore" und auch zeitgemäß in Mehrbettzimmern, nicht in Einzelzimmern.

Der Gianicolo bot noch einmal das ganze Panorama der Ewigen Stadt von Westen her. Lediglich der Blick auf den Petersdom war durch die mittlerweile hoch gewachsenen Bäume verstellt. Der Abstieg vom Gianicolo führte über eine schmale Stiege noch einmal an der Mauer der ehemaligen Kloster-Unterkunft vorbei. Inmitten von Trastevere  erwarteten die Pardonen  einmal mehr landestypische Spezialitäten bei der „ultima cena“, dem letzten gemeinsamen Abendmahl auf dieser Reise. Hier war dann auch Gelegenheit, den Initiatoren und Organisatoren der „Revival-Tour“  Dank zu sagen für die vielen Mühen bei der Vorbereitung und Durchführung.   – as –

 

Der Autor dieses Artikels ist „Pardone“ und war Mitreisender 1968 und 2018

 

Hintergrund PARDONIA       

PARDONIA ist keine studentische Verbindung, vielmehr eine schulische – auf jeden Fall aber eine Verbindung besonderer Art. Der Name steht für die Klassengemeinschaft der späteren Unterprima U I a, die die 68er Romfahrt machte und die als Oberprima O I a 1969 das Abitur am Gymnasium Paulinum absolvierte. Die Anfänge gehen zurück auf die Zeit des Übergangs von der Mittelstufe zur Oberstufe des Gymnasiums 1966 und die damals zum Ende eines jeden Schulhalbjahres abgehaltenen „Kommerse“, mit denen die einzelnen Schulabschnitte in feucht-fröhlicher Runde begangen wurden. Bevorzugte Treffpunkte waren seinerzeit die ehemalige „Stadtschänke“ (heute Stadthotel) in der Aegidiisträße und der Töddenhoek in der Rothenburg.

Namensgeber dieser „Verbindung“ war damals die Satirezeitschrift PARDON. Deren Logo – das rote Teufelchen, das den Hut zieht – wurde auch zur Wappenfigur der Truppe, das die Pardonen  zu ihren Treffen als Tisch-Wimpel und im Großformat als Fahne begleitete.

Auch nach dem Abitur hielt man den Kontakt und traf sich – wenngleich nicht immer vollzählig – zu den jährlichen Farbenfesten der ehemaligen Abturienten des Paulinums. Darüber hinaus hielt und hält man Kontakt auf Klassentreffen. Dreh- und Angelpunkt war dabei häufig Münster, wo noch immer die Mehrzahl der Pardonen wohnt. Aber auch Berlin, Cottbus, Mühlheim an der Donau, Solingen, Lemgo, Sundern und zuletzt Uelzen waren Austragungsorte von Klassentreffen. Im Laufe der Jahre musste Pardonia auch Verluste und Abgänge verzeichnen, einige waren schlicht nicht mehr erreichbar. Dem stehen  allerdings auch erfreuliche „Wiedergewinne“ gegenüber, die nach längerer Abwesenheit wieder dazu gefunden haben, nicht zuletzt auch auf der 2018er Romfahrt

Charakteristisch für Pardonen ist die von einem humanistischen Leitbild getragene gegenseitige Toleranz. Vielfalt in Einheit, so könnte man sagen. Unterschiedliche Ansichten werden fair ausgetauscht und in gegenseitigem Respekt ertragen. Niemand muss sich für irgendetwas rechtfertigen. Dieses Klima der Offenheit und Toleranz hat diese Gemeinschaft über Jahre geprägt und ihren Zusammenhalt gefestigt. So kommt man gern zu den Treffen.

Ein spezieller „Pardonenfonds“ sorgt dafür, dass auch Pardonen, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt sind, an den Treffen teilnehmen können. Keiner soll ausgeschlossen sein.


[1] siehe Hintergrund PARDONIA

 

Im Hof des früheren Klosters "Sette Dolore" mitten in Trastevere, heute ein modernes Hotel. Hier hatte die OIa der Abiturientia Paulina 1969 im Mai 1968 Quartier bezogen.
Im Hof des früheren Klosters "Sette Dolore" mitten in Trastevere, heute ein modernes Hotel. Hier hatte die OIa der Abiturientia Paulina 1969 im Mai 1968 Quartier bezogen.

Die Abiturientia Paulina von 1969:

Alsen Wulf

Austermann, Werner

Backhaus, Ludger

Boer, Hans-Peter

Bösing, Clemens

Borgs, Hans-Joachim   xxx

Schulze Bremer, Ernst

Cromme, Ludwig

Deilmann, Thomas

Dudek, Wolfram

Eitner, Wolfgang  (+)

Frhr. von Enzberg, Horst-Dieter

Freitag, Josef

Gehrmann, Hans-Georg

Gährken, Bernhard

Goy Georg  (+)

Hof, Heribert  (+)

Hoffmann, Franz  (+)

Hopmann, Benedikt

Kohorst, Helmut

Kösters, Peter Michael

Krimphove, Rudolf

Lammers, Dieter xx  (+)

 

Lang, Hans-Joachim

Leßke, Hans

Frhr. von Lüdinghausen, Alexander

Mechelhoff, Dieter

Middendorf, Ferdinand

Muth, Josef

Nolte, Klemens

Oebbecke, Janbernd

Oswald, Stefan

Pauli, Johannes

Paulus, Wolfgang

Frhr. von Plettenberg, Hartmut  (+)

Roth, Detlev  (+)

Schnellbach, Andreas

Speckmann, Michael  (+)

Steidl, Jörg

Strehl, Martin

Viskorf, Hermann-Ulrich  x

Weckermann, Hans-Jürgen  (+)

Wewel, Heinz Dieter

Zisché, Rainer

Zumnorde, Heinrich